Der Kunststil dieses Werkes ist einer zeitgenössischen, poetisch-symbolischen Malerei zuzuordnen, die Elemente aus Impressionismus, industriell geprägter Erinnerungslandschaft und naiver Symbolik verbindet.
Stilistische Merkmale:
Industriearchitektur als historischer Resonanzraum
Die alte Tuchfabrik bildet mit ihren gemauerten Wänden, Spuren von Feuchtigkeit und Verfall einen Ort kollektiver Erinnerung. Sie steht sinnbildlich für vergangene Arbeit, Handwerk und industrielle Geschichte.
Alltagsobjekt mit symbolischer Umdeutung
Die alte Kupferwanne wird aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und zum zentralen Bildmotiv. Vor der Fabrik platziert, fungiert sie als poetisches Gefäß für Schutz, Übergang und Stillstand – ein stiller Gegenpol zur ehemaligen Produktivität des Ortes.
Magisch-realistische Verschiebung der Realität
Die Kombination aus Fabrikarchitektur, Wanne und Figur erzeugt eine traumhafte Logik. Der Ort ist real, die Situation jedoch innerlich aufgeladen und bewusst verfremdet.
Dramatische, gezielte Lichtführung
Das Licht bricht in den dunklen, industriell geprägten Raum ein und fokussiert die Wanne und die Figur. Es schafft einen Kontrast zwischen Hoffnung und Schwere, zwischen Vergangenheit und gegenwärtigem Innehalten.
Expressive, materialbetonte Malweise
Vielschichtiger Farbauftrag, Kratzspuren und lasierende Übergänge machen Patina, Nässe und Alter sichtbar. Die Oberfläche des Bildes spiegelt den Zustand der Fabrik wider.
- Naiv-symbolische Figurenauffassung:
Die Figuren sind vereinfacht dargestellt, fast kindlich oder puppenhaft. Das ist kein technischer Mangel, sondern eine bewusste stilistische Entscheidung, um Emotion und Symbolik zu betonen.
Gedämpfte Farbpalette mit Akzenten
Erd-, Ocker- und Grautöne dominieren und verweisen auf Stein, Staub und Zeit. Akzente in Rot und Türkis setzen emotionale Fixpunkte.
Zusammenfassung:
Das Werk transformiert den Ort einer alten Tuchfabrik in eine poetische Erinnerungslandschaft. Durch die symbolische Aufladung eines alltäglichen Objekts und eine expressive, atmosphärische Malweise entsteht ein vieldeutiger Bildraum.
Es geht weniger um Realität als um Stimmung, Erinnerung und Interpretation – fast wie eine gemalte Kurzgeschichte.
